Flächenverbrauch für Gewerbegebiete ist fraglich

Der Pforzheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstag grundsätzlich entschieden, gemeinsam mit den Enzkreis-Gemeinden Eisingen, Neulingen und Kämpfelbach das Gewerbegebiet Steinig zu entwickeln. Die umstrittene Entscheidung fiel mit den Stimmen vom CDU, SPD und FDP, dagegen stimmten die Fraktionsgemeinschaft aus Freien Wählern, Unabhängigen Bürgern, LBBH, ferner die Grüne Liste sowie die fraktionslosen Stadträte. Einen Vorschlag, diesen Tagesordnungspunkt abzusetzen, fand - trotz Unterstützung der Fraktionsgemeinschaft - keine Mehrheit.

Über 100 interessierte Bürger waren bei dieser Gemeinderatssitzung anwesend und protestierten mit zahlreichen Transparenten in der Sitzung gegen das Vorhaben; darunter waren in der Bürgerinitiative Nord zusammengeschlossene Anlieger sowie Mitglieder des Hundesportvereins Pforzheim. Dieser hatte vergangenen Freitag aus der "Pforzheimer Zeitung" erfahren, dass ersten Plänen zufolge die Hauptverkehrsstraßen des neuen Gewerbegebiets mitten durch seine Anlage führen würden.

Die Fraktionsgemeinschaft steht dem Interkommunalen Gewerbegebiet Steinig kritisch gegenüber. Für die Erschließung eines Gewerbegebietes muss die Stadt hohe Vorlaufkosten finanzieren. Schon für die Erschließungsmaßnahmen für das neue Gewerbegebiet Buchbusch muss die Stadt Pforzheim ein Darlehen in Höhe von 15,6 Mio. aufnehmen, um die Maßnahme zu finanzieren. Trotz des angestrebten Verkaufs der Grundstücke bleiben Jahr für Jahr Zinsaufwendungen im städtischen Haushalt. Eine schnelle Vermarktung der Gründstücke ist nicht in Aussicht, da es im Umland genügend Angebote an neuerschlossenen Gewerbegebieten gibt.

Angesichts dieser Tatsache und aufgrund der zukünftigen demographischen Entwicklung ist es sehr fraglich, ob ein weiterer Flächenverbrauch für Gewerbegebiete zur Ansiedlung von Unternehmen notwendig ist. Die Stadt verfügt mit Hohenäcker, Altgefäll und zukünftig Buchbusch über ausreichend Gewerbeflächen. Derzeit gibt es keinerlei detaillierte Untersuchungen, inwieweit heimischen Unternehmen Expansionflächen benötigen. Von Seiten der Stadt wird hingegen von einem jährlichen Bedarf von 5 ha Gewerbefläche ausgegangen.

Es sei derzeit nicht absehbar, welche schädliche Folgen für Umwelt, Klima und die Lebensqualität dieses Gewerbegebiet in den angrenzenden Wohngebieten mit sich bringt. Schon heute ist festzustellen, dass die Bauzeit / Erschließung des Gewerbegebietes Steinig erhebliche Verkehrsbelastungen für den Bereich des Famila-Centers und der Anwohner Riegerle mit sich bringt. Diese Trasse soll später als Hauptdurchgangsstraße für die angesiedelten Unternehmen dienen.

Eine behutsame Entwicklung von Gewerbegebieten, am Bedarf orientiert, setzt sicherlich Impulse für die Zukunft einer Stadt, aber mit Augenmaß. Die Fraktionsgemeinschaft ist der Auffassung, dass solche Erschließungsmaßnahmen auch finanzierbar sein müssen. Die notwendige Wiederaufforstung ist bis zum heutigen Tag noch fraglich. Bei all diesen Überlegungen darf man nicht außer acht lassen, dass es bereits einen regen Wettbewerb der Gemeinden im Umland um die Vermarktung von freien Gewerbeflächen gibt.